Gegründet im November 1989 – Online-Ausgabe seit 2004Ausgabe Nr.90 - 07. Mai 2015

Virtuelle Ausgabe Nr. 90 (707) vom 7. Mai 2015



Die Stadthalle Meerane

Stadthalle Meerane
Ansicht der BauhausfassadeKonzert des Blasmusikvereins Meerane 1968 e. V.

Auf der Stadtratssitzung am 28. April 2015 notiert

Konzept und Kostenschätzung für Stadthalle bis September


Relativ rasch erledigt waren die ersten Tagesordnungspunkte der Sitzung im Neuen Rathaus. Dazu zählten eine Einwohnerfrage zum Bürgerheim (wird an die Geschäftsführung weitergeleitet) sowie 25 € Erfrischungsgeld für Helfer bei der Bürgermeister- und Landratswahl (einstimmig angenommen).

Notbekanntmachungen der Stadt (bisher durch Aushänge in Verkündigungstafeln realisiert) müssen laut Kommunalaufsicht bei Orten mit mehr als 2 999 Einwohnern in anderer Form realisiert werden. Dies geschieht künftig durch Anzeigen in der Freien Presse – Glauchauer Zeitung. Auf Nachfrage von Stadtrat Eisenkrätzer nach Anzahl der Leser wurde festgestellt, dass dies kein Kriterium sei, sondern die Tatsache, dass die Zeitung täglich erscheint.

Hinter Tagesordnungspunkt 6 „Informationsvorlage: Erhaltung eines denkmalgeschützten Gebäudes“ verbarg sich ein vom Meeraner Bündnis, den Freien Wählern, CDU und FDP gestellter Antrag zur Stadthalle, begründet von Stadtrat Sommer, wonach die Verwaltung beauftragt wird, ein Sanierungskonzept zur Stadthalle Meerane zu erstellen, um diese auch künftig optimal kulturell und sportlich nutzen zu können und das unter Denkmalschutz stehende Haus für die Stadt, Gäste und nachfolgende Generationen zu erhalten. Es solle mehr Möglichkeiten bieten für Tanz, Musik, Lesungen, Theater, Sport, Neujahrsempfang, Faschingsveranstaltungen…Würde aus dem Großen Saal die Schräge entfernt, ließe dieser  sich vielfältiger nutzen. Der ehemalige Sportplatz könne als Parkplatz dienen.

Bedenken vor allem für die Pläne mit dem Großen Saal waren den Ausführungen von Mitarbeitern der Stadtverwaltung zu entnehmen. Frau Götze (Fachbereich Bauen) informierte zunächst über Maßnahmen seit 2008 (Erneuerung der Klinkerfassade, der Sanitäranlagen im ersten Obergeschoss, der Fenster im Großen und Kleinen Saal, Umbau von Bühne und Bühnenaufgang, Umstellung der Heizung von Öl auf Gas, Sanierung der Dachentwässerung). 2016 steht die Dachsanierung im Haushalt. Für eine sportliche Nutzung des Großen Saales sehe sie Probleme (Fenster seien nicht ballwurfsicher, man müsse die Bühne schützen, Kronleuchter). 280 000 € flossen seit 2008 für die Stadthalle, stellte Bürgermeister Ungerer fest und hob hervor, dass die eigenständige Nutzung der Kegelbahn durch einen Verein hervorragend laufe. Wenn der Stadtrat die Kernfrage stellt, ob der Große Saal flach sei solle oder nicht, bestehe u.a. das Risiko, dass der Bestandsschutz für den Brandschutz entfallen könne.

Bedenken äußerte auch Frau Albrecht (Fachbereich Kultur). Ihr würde es leidtun, wenn der Große Saal eingeebnet würde, die in der Stadthalle agierenden Künstler wären von ihrem Charme stets angetan. Sie könne sich Sportveranstaltungen,  Konferenzen usw. im Großen Saal nicht vorstellen, auch nicht, dass Tanzveranstaltungen angenommen werden, da dies schon im Kleinen Saal nicht funktioniert. Würden Vereine einziehen, so bliebe kein Platz für Garderobe. Der Sportplatzt sei dagegen jederzeit als Parkplatz nutzbar, für größere Veranstaltungen allerdings nicht, da Anwohner die Beschallung nicht tolerieren.
Stadtrat Brumm stellte klar, dass man bei Sportveranstaltungen weder an Handball noch an Fußball denke, sondern an Tischtennis, Federball, Turnen.

Die Nutzungsmöglichkeit würde Druck aus anderen Hallen der Stadt nehmen, Stadtrat Stöckl regte an, die Möglichkeiten nach Kulturgenuss die Gaststätte aufzusuchen, doch auszubauen. Angesichts sich hinziehender Diskussion warf Stadträtin Martens ein, man wolle doch eigentlich die Verwaltung beauftragen, ein Sanierungskonzept zu erstellen und sich zur Stadthalle als Zukunftsprojekt bekennen. Frau Profe, seit 2 Jahren in der Stadthalle tätig, informierte über Veranstaltungen und Besucher, 2014 waren es 36 mit rund 8 000 Besuchern, dieses Jahr plant man 15 bis 25 ( dies hänge hauptsächlich mit fehlenden Faschingsveranstaltungen zusammen).

Die vom Bürgermeister angekündigten Anmerkungen zur Sportinfrastruktur in der Stadt waren eine ausführliche Darlegung zu Geschichte und Zukunft des Volkshauses. Man habe jetzt einen rechtskräftigen Bescheid und sei definitiv Eigentümer des Flurstückes mit dem denkmalgeschützten Volkshaus. Der Kulissenturm allerdings stehe nicht unter Denkmalschutz, sei ohne Nutzung. Die Verwaltung wolle den Stadtrat dafür gewinnen, diesen abzureißen, den Sanitärbereich sanieren und das Haus wieder sportlicher Nutzung zuzuführen. An dieser Stelle forderten die Stadträte Ebert und Brumm nun doch endlich über den Antrag zur Stadthalle abzustimmen – so wurde einstimmig beschlossen, die Verwaltung solle bis September eine Kostenschätzung und ein Konzept für die Stadthalle vorlegen.

Stadtrat Liebezeit plädierte anschließend dafür, Nutzungskonzept sowie Kostenschätzung auch für das Volkshaus zu erstellen. Andere Stadträte waren der Meinung, man soll die Gelder besser für die Stadthalle bündeln. Bürgermeister Ungerer teilte mit, es habe Anfragen zum Volkshaus gegeben. Auf jeden Fall werde die Verwaltung auch die Kosten für das Volkshaus überschlagen, für die Stadthalle rechne man mit 2,5 Millionen.

Im Tagesordnungspunkt 7 ging es um den Vollzug der Richtlinie Gewässer / Hochwasserschutz vom 31. Juli 2007 – nachhaltiger Wiederaufbauplan für den Meerchenbach und sein Einzugsgebiet. Am 7. April 2015 erhielt die Stadt einen Fördermittelbescheid aus der Landesdirektion über eine „gute halbe Million“ für ein Teilvorhaben. Dabei wird das Trennsystem, das auf Höhe Weißer Weg endet, fortgeführt bis zum Altmarkt, indem ein Regenwasserkanal und ein Schmutzwasserkanal gelegt werden.

Bekanntgaben und Anfragen, vorletzter Tagesordnungspunkt: Der Bürgermeister dankte der Freiwilligen Feuerwehr und namentlich Einsatzleiter Braun und auch der FFW Ponitz für den Einsatz beim Brand am 07. April 2015 am Neumarkt. Im Mai werden 7 Personen einer italienischen Delegation in Meerane weilen, eventuell wird eine Partnerschaft angestrebt. Der Sturm Niklas habe im Wilhelm-Wunderlich-Park rund 30 gro0e Bäume entwurzelt, die relativ zügig aus dem Wald herausgeholt werden, da der Borkenkäfer auf dem Vormarsch ist. Stadträtin Martens machte auf das Problem aufmerksam, dass auf dem Simmelparkplatz wegen dessen Abschüssigkeit die Einkaufswagen wegrollen und ob es möglich sei, für Leute mit Kinderwagen und Rollatoren Extra-Parkplätze auszuweisen. Stadtrat Liebezeit brachte die Erdbebenopfer in Nepal ins Gespräch. Ähnlich wie bei dem Tsunami in Phuket wolle man ein Objekt suchen, um Spenden dafür zu geben.

Letzter Tagesordnungspunkt - Durchführung einer öffentlichen Versammlung vor der Bürgermeisterwahl am 07. Juni 2015, beantragt von den Freien Wählern. Dabei sollen die vom Gemeindewahlausschuss zugelassenen Bewerber sich vorstellen. Bürgermeister Ungerer und der für das Bürgermeisteramt kandidierende Stadtrat Ulbricht erklärten sich für befangen. Mit 14 Ja-Stimmen und 1 Enthaltung wurde der Beschluss gefasst, die Verwaltung mit der Organisation zu beauftragen. Auf Unverständnis stieß bei einigen Stadträten die Aussage, laut Stadtratsbeschluss können Räume der Stadt für eine solche Veranstaltung nicht zur Verfügung gestellt werden und es müsse eine neutrale Lokalität sein. Vorgeschlagen wurde das Hotel Meerane (auf Nachfrage mit dem Hinweis, es gebe keinen Getränkezwang). Stadträtin Schäfer wendete ein, es sei abgelegen. Für die Nutzung des Kirchgemeindehauses müsse bezahlt werden. Die Meinungen gingen hin und her, was ein Besucher der Sitzung mit „Geeiere“ kommentierte. Die Bemerkung von Frau Anders, Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses, wenn der Stadtrat es hier beschließen würde, könne die Vorstellung auch in der Stadthalle stattfinden, ging in der Diskussion unter. So wurden dann das Hotel Meerane, der 02. Juni 2015 und der Moderator Herr Ilge festgelegt. jw.

*  *  *

Zitat aus dem Amtsblatt der Stadt Meerane vom 13.09.2013
„Im Rahmen der Reihe „Meeraner Gespräche“ fand am 4. September 2013 eine Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl in der Meeraner Stadthalle statt.
Der Einladung von Bürgermeister Professor Dr. Lothar Ungerer waren die Bundestagskandidatinnen und Bundestagskandidaten des Wahlkreises 165 Zwickau der Parteien, die im Deutschen Bundestag vertreten sind, gefolgt, sowie zahlreiche interessierte Meeraner Bürgerinnen und Bürger. Unter den Gästen im fast voll besetzten Kleinen Saal der Stadthalle waren auch Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 der Meeraner Mittelschule Tännichtschule, die für ein Projektim Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichtesdie Podiumsdiskussion verfolgten. „Ich freue mich, dass die Bürgerschaft das Angebot annimmt, sich über die Kandidatinnen und Kandidaten zu informieren. Unser Grundanliegen ist es, die Bürger zu mobilisieren, ihr Wahlrecht auszuüben“, sagte Professor Dr. Ungerer, der das Gespräch moderierte.“



Ulbricht

SPENDENAUFRUF für Bürgermeisterkandidaten

Am 7. Juni findet in Meerane die Bürgermeisterwahl statt. Die Freien Wähler schicken ihren Kandidaten Matthias Ulbricht ins Rennen. Die Wahlwerbung beginnt in wenigen Tagen.
Jede Hilfe und Unterstützung ist dabei herzlich willkommen – natürlich auch die finanzielle.
Spenden über das Vereinskonto sind steuerlich absetzbar 
Vereinskonto:
Freie Wähler Meerane e. V., Volks- und Raiffeisenbank Glauchau
Konto Nr.: 6130     BLZ: 87095974
IBAN: DE44870959740000006130
BIC: GENODEF1GC1
Bitte als Verwendungszweck „Spende Bürgermeisterwahl“ angeben und Ihre vollständige Adresse nicht vergessen, so dass wir Ihnen eine Spendenbescheinigung zusenden können. Die Namen der Spender werden selbstverständlich vertraulich behandelt!

 

 

Leserbriefe

Bürgermeisterwahl von Ralph Schmid, Kreisverwaltungsdirektor i. R., Ludwigsburg

Eigentlich wollte ich mich zur Bürgermeisterwahl in Meerane nicht äußern. Nachdem ich von der Diskussion über die öffentliche Kandidatenvorstellung gehört habe, kann ich nicht schweigen.

Es hat mich gefreut, dass Herr Ulbricht sich zur Kandidatur entschlossen hat. So haben die Bürger von Meerane wenigstens einen weiteren qualifizierten Kandidaten und damit eine echte Wahl. Ich habe Hochachtung vor diesem Schritt von Herrn Ulbricht. Und seine Chancen sind bei den vielen unzufriedenen Menschen in Meerane nicht aussichtslos. Zumindest ist dies geeignet, die Wahlbeteiligung zu erhöhen.

Ein dritter oder weiterer qualifizierter Bürgermeister-Kandidat wäre noch besser gewesen. Mir ist nicht verständlich, warum der Stadtrat als allein zuständiges Hauptorgan der Stadt nicht die Ausschreibung der Stelle in den Zeitungen in Sachsen und im staatlichen Anzeiger  des Freistaates Sachsen beschlossen hat. Gibt es doch zwischenzeitlich in Sachsen viele gut ausgebildete Verwaltungsfachkräfte und viele andere geeignete Menschen, die mit der sächsischen Mentalität vertraut sind. Ein guter Bürgermeister zeichnet sich auch dadurch aus, dass er sich in die Besonderheiten der Bürger einer Gemeinde schnell einfühlen kann.

Eine öffentliche Kandidatenvorstellung ist in Sachsen nicht zwingend, kann aber vom Gemeinderat festgelegt werden, wie in Meerane geschehen. Wenn bei der Auswahl des Veranstaltungsraumes BM Ungerer gesagt hat, dass die Stadthalle nicht in Frage kommen kann, weil die Gemeindeordnung dies dann verbiete, wenn auch der amtierende Bürgermeister kandidiert, verstehe ich das Schweigen der Stadträte nicht. Denn in deren Gemeindeordnung steht das nicht, auch nicht indirekt.
Wo bleibt die Frage: „Wo steht das? Vorlesen!“. Das Selbstbewusstsein der Mitglieder des Hauptorganes der Stadt ist gefragt.
Eine derartige unsinnige Regelung kenne ich aus keiner Kommunalverfassung in Deutschland. Und die Tendenz ist in Deutschland eher entgegengesetzt in Richtung auf mehr Information für den mündigen Bürger.

Eine öffentliche Kandidatenvorstellung ist eine Veranstaltung der Stadt, aber nicht des Bürgermeisters; er ist dabei nur Kandidat. Die Kosten der öffentlichen Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten sind von der Stadt zu tragen, egal ob in Räumen der Stadt oder in privaten Räumen. Gibt es denn eine wichtigere städtische Veranstaltung als die Vorstellung der Kandidaten zur BM-Wahl vor dem Wahlvolk?
Es ist noch Zeit die Vorstellung in der Stadthalle und nicht in einem Hotel am Rande der Stadt abzuhalten.

Wenn eine öffentliche Kandidatenvorstellung in einem zu kleinen Raum durchgeführt wird obwohl größere zur Verfügung stehen, könnte dies unter bestimmten Umständen sogar ein Wahlanfechtungsgrund sein.


Die Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten gehört in die Stadthalle

von Peter Ullmann, Meerane

In der Sitzung des Meeraner Stadtrates am 28. April, die ich als Einwohner besuchte, wurde als letzter Punkt die Durchführung einer öffentlichen Vorstellung der Bewerber um das Bürgermeisteramt beschlossen.

Soweit ich mich erinnere, fanden solche Vorstellungen vor Bürgermeisterwahlen immer großes Interesse und füllten den großen Saal der Stadthalle. Diesmal soll diese Veranstaltung der Stadt im Hotel Meerane stattfinden. Das ist mir völlig unverständlich, wo doch Meerane mit der Stadthalle über einen eigenen großen  Saal verfügt. Im Hotel Meerane wird eine Raummiete anfallen und manchen Bürger wird der Weg bis ins Gewerbegebiet, Parkplatzsuche und Verzehrkosten vom Besuch der Veranstaltung abhalten. Ist das beabsichtigt?

Ich habe erfahren, dass Bürgermeister Prof. Ungerer sich schon vor der Stadtratssitzung auf das Hotel Meerane festgelegt hat. Was hat ihn dazu veranlasst. (Darf er das als Kandidat überhaupt nach eigenem Wunsch so hinbiegen?)  Auch ist mir unverständlich, dass die Stadträte das  fast unwidersprochen  hingenommen haben. Sind sie doch allein für diese besondere Veranstaltung zuständig. Zudem wurde in gleicher Sitzung über den Erhalt der Meeraner Stadthalle diskutiert. Wie, wenn nicht einmal die wichtigste Veranstaltung der Stadt, die keine Parteiveranstaltung ist, ausgelagert wird. Hier müssen die Bürger protestieren.


Aus München erreichte das MB ein Brief von Ludwig Fanghänel:

Vor einiger Zeit erhielt ich durch Bekannte eine ältere Notiz zu Meerane, wo es um „unbequeme Denkmale“ ging (die Notiz bezieht sich auf einen Beitrag auf der Meeraner Homepage vom 09.09.2013 bzw. im Amtsblatt vom 27.09.2013 und einen Vortrag des Bürgermeisters zu dem Thema – Anm. d. Red.). Darin wird auch, unter Berufung auf den Bürgermeister Prof. Ungerer, der Meeraner Textilfabrikant Otto Nietzel erwähnt, der bei Kriegsende 1945 spurlos verschwand. Hierzu die Erinnerungen eines damals 7½ -jährigen an Nietzel.
Unsere Wohnung in der Fritz-Brumm-Straße (heute Straße des Friedens) lag genau gegenüber der Weberei von Otto Nietzel. Das Firmengelände begann auf der anderen Straßenseite mit einer kleinen Grünanlage, und etwas weiter zurück lag die Weberei, wo von früh bis Abend die Webstühle klapperten. Nietzel mußte selbstverständlich, wie alle Fabriken in Deutschland, im Kriege ganz oder teilweise für die „Rüstung“ (Wehrmachtsbedarf) arbeiten. Erinnerlich sind mir die gummierten Kartentaschen für Offiziere, welche nach Kriegsende für 50 Reichspfennige erhältlich und bei uns Jungen sehr begehrt waren.

Seit Anfang 1945 war „Nietzels Keller“ unter der Weberei auch für die Anwohner als Luftschutzkeller zugänglich. Wir waren mehrmals in dem Keller, der als etwas sicherer galt als die flachen Keller in der Fritz-Brumm-Straße, die im Ernstfall keinen Schutz geboten hätten. Hin und wieder sah man auch den Firmenbesitzer Otto Nietzel, einen kleinen, älteren Herrn in stets korrekter Kleidung (Staubmantel, Homburg). Das letzte Mal sah ich ihn etwa Ende April/Anfang Mai 1945. Da hatten sich wohl die Amerikaner zu einer Firmenbesichtigung angesagt, und Nietzel empfing eine kleine Gruppe von Offizieren persönlich am Tor. Zufällig stand ich mit einigen anderen Neugierigen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Nietzel grüßte die Besucher, indem er seinen Homburg abnahm. Ein Mann unter den Zuschauern bemerkte amüsiert, daß er versehentlich, in alter Gewohnheit, zunächst wohl seinen Arm zum „Deutschen Gruߓ ausstrecken wollte, diese Bewegung aber im letzten Moment in ein Hutabnehmen abfälschte... Die Amerikaner räumten Sachsen bekanntlich Anfang Juli 1945 und wenige Tage später waren die Russen da. In der erwähnten Notiz heißt es nun zum Thema „unbequeme Denkmale“:
„Dazu zählt beispielsweise die derzeit dem Verfall preisgegebene Villa an der Achterbahn 6. ´Hier gibt es die nachweislich traurigste Geschichte aus der Zeit des 2. Weltkrieges zu berichten´, erklärte Professor Dr. Ungerer. Dieses Wohnhaus gehörte dem Meeraner Unternehmer Nietzel, welcher noch kurz vor Kriegsende von Unbekannten an das mobile russische Exekutionskommando ausgeliefert und hingerichtet wurde und das nur, ´weil er ein Unternehmer war´.“

Prof. Ungerer gibt für seine Aussage über Nietzels Verschwinden keine Quelle an. Es handelt sich hier anscheinend um ein Gerücht, das aber die damalige Realität verkennt. Wenn Nietzel „noch kurz vor Kriegsende“ verschwunden sein sollte, könnte dies nur zur Zeit der amerikanischen Besatzung erfolgt sein. Es ist aber schwer vorstellbar, daß im damaligen amerikanischen Besatzungsgebiet ein „mobiles russisches Exekutionskommando“ herumgereist sein soll. Den damaligen Verhältnissen entsprechend ist es sehr viel wahrscheinlicher, daß Nietzel erst nach Eintreffen der Russen (Anfang Juli 1945) denunziert, verhaftet und in eines der sowjetischen „Speziallager“ eingeliefert wurde, z.B. in das SpezLag 2 (das ehem. KL Buchenwald). Für die Inhaftierten gab es keinerlei Kontakt zu ihren Angehörigen, die auch im Todesfall nicht benachrichtigt wurden. Ein solches sowjetisches Hunger- und Schweigelager dürfte Nietzel - wie zehntausende andere Häftlinge - nicht überlebt haben.

Daß der Textilfabrikant Nietzel, selbst wenn er überzeugter Nationalsozialist gewesen sein sollte, ein Kriegsverbrecher war, ist abwegig. Aber damals genügte eine Denunziation unter den fadenscheinigsten Anschuldigungen, um jemand in ein sowjetisches Lager zu bringen. Otto Nietzel nimmt unter den Meeraner Textilfabrikanten insofern eine Sonderstellung ein, als er bereits 1945 verhaftet wurde. Die übrigen „Kapitalisten“ kamen erst 1948 an die Reihe. Da gab es den Prozeß gegen die „Wirtschaftsverbrecher Glauchau – Meerane“, durch den die Angeklagten enteignet und – sofern sie nicht rechtzeitig in den Westen geflohen waren – zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt wurden.

 

Der Förderkreis Friedhof Meerane informiert

Die Außenputzarbeiten am Aufbahrungsbereich der Neuen Halle durch die Firma Behrendt und Petzold sind voll im Gang. Leider müssen mehrere dicht an den Mauern stehende Bäume gefällt werden, um die Gerüstarbeiten nicht zu behindern. An der Alten Halle laufen derzeit die Zustandsbewertungen im Kuppelbereich.
Die vom Förderkreis für die Erhaltungsarbeiten der Halle gebildete Rücklage von 30.000 € aus den Spendengeldern wurde laut Mitgliederbeschluss in das Jahr 2015 übertragen und jetzt auf das Konto des Friedhofs überwiesen.

Neue Halle

Fortsetzung der Liste der Spenden bis Nr. 608, Gesamtspendensumme jetzt 58.937 €

Gottfried und Margit Dombrowski, Candida Berger (Aalen), Marianne Gimpel, Freie Wähler Meerane e. V. (600. Spende), Isolde und Horst Ranft, Waltraud und Manfred Lau, Klaus und Karin Walther, Horst Herold, Liane Möbius, Paul und Marita Richtsteiger, Dr. Sybil Kittler, (Glauchau), Gemeinschaftspraxis Dr. Mathias Stake, Regina Liebetrau
Herzlichen Dank allen Spendern! Vollständige Spenderliste im Schaukasten der Friedhofsverwaltung.
Spendenkonto für Ihre Spende: Förderkreis Friedhof Meerane e. V.
Sparkasse Chemnitz, IBAN: DE02 87050000 0710 0110 91   Kennwort: Spende Friedhofshalle

Bitte Ihre Adresse für Spendenbescheinigung angeben.              Dr. Peter Ohl – Vorsitzender

 


Nachtrag zum 25-jährigen Jubiläum des MEERANER BÜRGERVEREINS


Aus der Mitgliederliste im Gründungsjahr 1990 die Mitglieder von Nr. 1 bis 20


Dr. Peter Ohl, Heidi Ohl, Gottfried Kahnt, Bernd Lehmann, Paul Richtsteiger, Wolfggang Sommer (+), Klaus-Dietmar Hessel, Uwe Lange (+), Silvia-Marlen Tetzner, Klaus Graupner, Hilmar Kayser, Dr. Wolf Drewelow (+), Elisabeth Scholz, Ulrich Kahnt, Klaus Walter, Jochen Beuchold (+), Wilfried Weber,  William Ackermann, Karl Mehltretter, Christian Zipfel

 

Buchempfehlung

Gerald Hüther „Etwas mehr Hirn, bitte“, Verlag Vandebeck & Ruprecht, 187 Seiten, ISBN 978-3-525-40464-5
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BuchcoverAuf verständliche Art und Weise vermittelt Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther, seines Zeichens Neurobiologe, dass wir unser Potential nur dann optimal nutzen können, wenn wir vernetzt leben, denken und handeln. Ein Plädoyer für Miteinander statt Vereinzelung und kreativer Suche nach Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn. Eine Ermutigung, auf andere Menschen zuzugehen und Gemeinsamkeiten statt Unterschiede zu suchen.

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Veranstaltungen

Konzert in der Aula des Europäischen Gymnasiums Waldenburg

Unter dem Titel „Klänge der Erneuerung“ wird die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden unter Leitung von Michael Hurshell am Montag, den 18.5.2015, 19.00 Uhr, in der Aula des Europäischen Gymnasiums Waldenburg (Altenburger Straße 44a, Waldenburg) vergessene Meisterwerke von Alexander Zemlinsky, Alexandre Tansmann und Erich Wolfgang Korngold spielen.

Wir würden uns freuen, wenn wir Sie zu diesem Konzert begrüßen können. Der
Eintritt 5,00 EUR; Schüler und Mitarbeiter der Europäischen Schulen haben freien Eintritt.

Harald Evers
Kuratoriumsvorsitzender der Europäisch-Humanistischen Bildungsstiftung


Herzlichen Glückwunsch dem sächsischen Billard-Landesmeister
Foto: Wiegand Sturm

Billard

Bei der Landesmeisterschaft im Billard-Karambol hat die erste Mannschaft der SG Meerane 02 wieder den Titel geholt. Lutz Lüpfert, Jens Lüpfert, Lutz Kolditz und Frank Bräunlich (v. l.) zeigten erneut das hohe Leistungsniveau in Meerane. Die Stadt ist seit über 65 Jahren eine Hochburg dieser anspruchsvollen, schönen Sportart. Interessierte  oder Neugierige sind zur Trainingszeit über der Stadiongasstätte donnerstags ab 16.00 Uhr jederzeit herzlich willkommen.

Am Rande

Baustelle Merlacher WegBlick auf die Baustelle Brücke Merlacher Weg am 01. Mai 2015. Die Anwohner gehen seit Wochen (und voraussichtlich bis August) quasi mit der Kirche ums Dorf, wenn sie von der einen Seite auf die andere wollen. Zum Bus oder zum Briefkasten führt der Weg jetzt über die Wehrwiese und Autofahrer treffen gleich auf zwei Sackgassen (Merlacher und Crotenlaider Weg). Auf jeden Fall ein interessantes Projekt. jw.

 

 

 

 

 

 

Gymnasium

Vor einigen Wochen standen vor der Tür des Europäischen Gymnasiums Johann Heinrich Pestalozzi Frauen und Männer, denen es offenbar um die Eingangstüren des sonst recht ansehnlich wirkenden Hauses aus dem Jahre 1875 ging, die einen doch recht traurigen Zustand bieten. Man beugte sich über Farbbeispiele und besah sich das interessante Detail, das bis dato verborgen war. Offenbar tut sich etwas in Sachen Türen im 140. Jahr der Schule. jw.

Re- Volution oder Zurückgehen um vorwärts zu kommen
Bewegungsschmerzen leichterer Art im Hüft-, Knie- oder Fußbereich beruhen oft auf vorübergehenden Fehlbelastungen. Gerade beim Wandern ist das lästig.
Laufen Sie dann mal zehn bis zwanzig Schritte rückwärts. Das führt zu einer Änderung der Belastung der Gelenkmechanik, die beim wieder Vorwärtsgehen Linderung bringen kann.
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Kontakt und Impressum

 

MEERANER BLATT
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