Gegründet im November 1989 – Online-Ausgabe seit 2004Ausgabe Nr.67 - 18. März 2012

Virtuelle Ausgabe Nr. 67 vom 18. März 2012

 

Abschied vom Baum

 

BlutbucheBaumfällung

Voller Hoffnung wurde eine Kundgebung zur Rettung der Buche am Bürgerheim (s. mb Nr. 66) für Sonnabend, den 17. März organisiert. Doch schon am Tag zuvor früh um 6.00 Uhr mussten die Mitarbeiter des Werkhofs im Beisein des Bürgermeisters in einer Blitzaktion den prächtigen Baum fällen und kurz und klein schneiden. Die Fällgenehmigung wurde erst am Donnerstagnachmittag, d. 15. 03 vom Landratsamt erteilt. So gestaltete sich die Rettungsaktion zu einer Trauerfeier für die Buche, auf der noch am Abend zuvor Amseln ihr Abendlied sangen. An dieser Stelle soll ein Anbau zur Erweiterung des Heims um 30 Betten entstehen.

70 engagierte Bürger versammelten sich in der Robert-Baum-Straße vor dem Bürgerheim, um ihrer Verbundenheit mit dem Baum Ausdruck zu verleihen. Mandy Schilling verlas die unten stehende Denkschrift und Cornelia Liebschner sang das bewegende Lied von 1968, „Mein Freund der Baum ist tot“. Weitere Redner äußerten sich zum geplanten Anbau.

Mandy SchillingCornelia LiebscherSven Schilling
Mandy SchillingCornelia LiebscherSven Schilling

Zivilcourage

Konnte man noch Hoffnung haben, in diesem Province-Städtchen Meerane so etwas wie Zivilcourage zu finden? Eine Stadt, in der man zu der Meinung kommen kann, dass spezifischer Sachverstand entbehrlich ist? Wo Einmischung misstrauisch beobachtet wird?

Doch ausgerechnet eine junge Frau, die einer Generation angehört, die für die Zukunft der Stadt so überaus wichtig ist, bringt die Kraft für eine Aktion auf, die von einer souverän handelnden Verwaltung hätte vermieden werden können.

Die Blutbuche am Bürgerheim ist für diese junge Frau ein Symbol für gewachsenes ehrliches Leben, das zur wechselvollen Geschichte dieser Stadt gehört. Und es ist ihr unverständlich, dass der Baum für einen zweifelhaften Bau geopfert werden soll - und niemanden, außer den unmittelbar betroffenen Anwohnern interessiert das wirklich. Das trifft sie ins Herz.

Mit einer Unterschriftensammlung hofft sie, ihm Rettung bringen zu können. Obwohl es nur um ein paar Blatt Papier geht, die vorzubereiten, zu verteilen und einzusammeln sind, fordert das ihre ganze Persönlichkeit. Denn es ist schwer sich zu engagieren, fast allein gegen fast alle, wenn man die Teilnahmslosen mit einbezieht.

Dabei ist ihr von vornherein klar, dass sie mit ihrer Aktion den Unmut des Bürgermeisters auf sich zieht. Und er lässt es sie schließlich deutlich und öffentlich spüren. Die Machtdemonstration endet mit der Vernichtung des Baumes, bevor die Unterschriftensammlung abgeschlossen ist. Was für ein Sieg!

Aber immerhin! Der Bürgermeister hat mit seinem Agieren geholfen, dass es in Meerane wieder Hoffnung gibt. Diese Hoffnung ist mit dem Namen Cornelia Liebschner verbunden, die sich für eine Sache engagierte, von der sie erwartungsgemäß keinen persönlichen Vorteil haben konnte. Die mit Mut, Charakter und Leidenschaft für das Gute und Wertvolle in einem Gemeinwesen einstehen musste. Die hoffentlich ihrer in Meerane verbliebenen Generation Mut gemacht hat.
Ihr Freund der Baum ist tot. Dafür lebt in Meerane die Hoffnung auf Zivilcourage.
Wird sie nun wachsen? -

Uta Illing, Meerane

 

 


Denkschrift
An den Bürgermeister und die Stadträte der Stadt Meerane

Heute am 17. März 2012 haben sich Bürger vor dem Bürgerheim Meerane versammelt, um eine Buche vor dem Fällen zu schützen. Sie steht nicht mehr.
Gestern Morgen wurde sie gefällt.

Dieser prächtige Baum ist zur Einweihung des Bürgerheims vor 77 Jahren gepflanzt worden und war ein prägender Bestandteil der gesamten Anlage.

Uns ist bewusst, dass unter heutigen Bedingungen höhere Maßstäbe für  Pflegeheime gelten, unter besonderer Beachtung der Wirtschaftlichkeit.
So wird der beabsichtigte Anbau zur Erweiterung der Bettenkapazität des Bürgerheims nicht in Abrede gestellt. Zugleich war aber die auf dem Grundstück stehende Buche unbedingt schützenswert.

Wir wissen nicht, ob man sich bei der Planung für den Erhalt des  Baumes stark gemacht hat und welche Lösungen Architekten gefunden hätten?

Allerdings nehmen wir an, dass bei dem hohen Stellenwert des Naturschutzes in unserer Stadt, von berufener Seite um den Baum gekämpft wurde.

Dass sich heute auch viele Bürger für die Buche einsetzen, liegt nicht zuletzt an dem unermüdlichen Wirken von Frau Erdmute Stäuber für den Erhalt der Natur in jeglicher Form. Die Meeraner wurden im Verlauf  der Jahre immer mehr für den Naturschutz sensibilisiert.
Darum steht die heutige Versammlung unter der Losung:

Baum Bürger Bau Bündnis für lebendige Symbiose

Das bedeutet, dass wir uns selbst die Verpflichtung auferlegen müssen, alle Werke des Menschen mit der Natur in Einklang zu bringen. Das gilt im Kleinen wie im Großen, in Meerane wie auf dem ganzen Erdball.

So appellieren wir an die Verantwortlichen unserer Stadt, in sich zu gehen, um sich zu prüfen, ob sie nicht in letzter Minute trotz der vorliegenden Ausnahmegenehmigung zum Fällen des Baumes nach einem Miteinander von Baum und Bau hätten suchen sollen.

Die Blutbuche am Bürgerheim wird, auch nachdem sie gefällt wurde, zu dem Baum werden, der in der Geschichte unserer Stadt vom gewachsenen Umweltbewusstsein der Meeraner kündet. Keinesfalls darf sie zum Alibi für künftige Fällanträge werden.

Der Baum mahnt uns, künftig noch sensibler mit unserer Umwelt umzugehen. Der Stadtrat als Entscheidungsorgan und Bindeglied zu den Bürgern sowie der Bürgermeister können nur mit Transparenz und Öffentlichkeit, und das bereits im Vorfeld von Beschlüssen, erwarten, dass sich die Bürger damit auseinander setzen und die Entscheidungen verstehen.
Hier liegt eine Reserve für künftige Ratsarbeit und Bürgernähe, die genutzt werden sollte.

Im Namen der anwesenden Bürger


Cornelia Liebschner                       Dr. med. Peter Ohl

Der Bürgermeister war eingeladen worden, aber nicht erschienen. Die Liste mit den 353 Unterschriften zum Erhalt der Buche und die Denkschrift werden ihm nun in seinem  Büro übergeben.

 

Was nun Herr Ungerer?

Die Hindernisse für den Anbau scheinen beseitigt zu sein. Doch nicht nur die folgenden Fragen stehen im Raum:

  1. Kann der geplante Anbau eine Verbesserung für die Betreuung der Bewohner bringen, wenn bei fast Verdoppelung der Bettenzahl das Personal aus Kostengründen anscheinend kaum aufgestockt wird?
  2. In welchem Verhältnis steht die Kostenermittlung für den Anbau in Höhe von 2,6 Mio. €  zu den Kosten, die entstehen würden, wenn man das inzwischen fast leer stehende städtische Krankenhaus in eine Betreuungseinrichtung umwandeln würde?
  3. Hat sich der Stadtrat schon mit dem Problem der Nachnutzung des Krankenhauses befasst?

 

 


 

„Unverstandene Entscheidungen beschädigen das Vertrauen“

Bundespräsident Joachim Gauck im ZDF am 18. März 2012


 

 

Kultur

Buchempfehlung


Joachim Krause: Was Charles Darwin geglaubt hat, Wartburg Verlag Weimar 2012, 72 Seiten, 9,90 € ISBN 978-3-86160-251-4

"Der Naturforscher Charles Darwin ist mehr als zweihundert Jahre nach seiner Geburt berühmter und umstrittener denn je. Nirgends zeigt sich das so deutlich wie in der andauernden Kontroverse um das Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Gerade Charles Darwin wird oft als Kronzeuge in Anspruch genommen. Dabei werden jedoch seine eigenen Ansichten meist entweder verdreht oder übermäßig vereinfacht dargestellt.“

 

Schon 100 Spender für Friedhofshalle Meerane


Fast täglich gehen Spenden auf dem Konto des Friedhofförderkreises für die Instandsetzung der Meeraner Friedhofshalle  ein. Die Meeraner schätzen ihren Friedhof als einen Ort der Erinnerung, Besinnung und Begegnung. Die Besonderheit der Friedhofshalle aber, deren hundertjähriges Jubiläum 2014 begangen wird, wird vielen erst  jetzt bewusst. Der ovale Bau nach den Plänen vom Dresdner Architekt Paul Bender gilt als einmalig auf deutschen Friedhöfen. Sein Entwurf wurde 1912 nach einer Ausschreibung unter hundert Einsendungen ausgewählt und mithilfe vieler Spenden von Meeraner Bürgern und Firmeninhabern umgesetzt. Die größte Spende von 100.000 Goldmark kam von Charles Schmieder (1858-1959), der in der Familiengruft auf dem Meeraner Friedhof beigesetzt wurde.
Trotz der guten Bauqualität waren im Verlauf der nun bald einhundert Jahre immer wieder Erhaltungsmaßnahmen notwendig. Heute geht es um die  Bedachung der Halle, Fenster, Türen und den Innenbereich. Die dafür erforderlichen Gelder setzen sich aus  Eigenmitteln der ev.-luth. Kirchgemeinde St. Martin, Fördermitteln der Denkmalpflege und weiterer aus öffentlicher Hand und eben aus Spenden zusammen. Im vergangenen Herbst wurde bereits das Dach über den Aufbahrungsräumen erneuert (die Freie Presse berichtete).

Zum Zweck der Sammlung von Spendengeldern wurde der Förderkreis Friedhof Meerane im vergangenen Mai gegründet. Meeraner Bürger, Stadträte, Firmeninhaber und ehemalige Meeraner haben bisher über 6.000 Euro zusammen getragen. Die Namen der Spender werden in Abständen in Meerane veröffentlicht. Den weitesten Weg nahm eine Spende von Rolf Stelzer, der als Zimmermann vor 60 Jahren von Meerane nach Australien ging. Seine  Verbindung zur Heimat ist nie abgerissen.

Dass der Friedhof zum Leben gehört, dass er auch eines Tages unser Leben bewahren wird und in seiner Gesamtheit das Gedächtnis der Stadt in sich trägt, ist eine Erkenntnis, die uns
hilft, ihn mit anderen Augen zu sehen.

Noch bedarf es vieler weiterer Spenden für die Erhaltungsarbeiten an der Friedhofshalle.
Spendenkonto: Förderkreis Friedhof Meerane e. V., Konto-Nr.0710011091, BLZ 87050000
Sparkasse Chemnitz, Kennwort: Spende Friedhofshalle

Dr. Peter Ohl, Vorsitzender

Blick von der Orgelempore in die Friedhofshalle von 1914

 

Die Leserbriefe werden in der nächsten Ausgabe veröffentlicht

 

 

Kontakt und Impressum

Zuschriften an das Meeraner Blatt senden Sie bitte an:
Redaktion Meeraner Blatt, Moeschlerweg 1 a, 08393 Meerane
e-mail: post@meeranerblatt.de Fax 03764 / 796764 Weiterverbreitung durch e-Mail oder Ausdruck erwünscht.
Verantwortlich und Herausgeber: Dr. med. Peter Ohl. Erscheinungsweise: kostenlos unter  www.meeranerblatt.de in loser Folge.