Gegründet im November 1989 – Online-Ausgabe seit 20041. Neujahrsempfang der Stadt Meerane am 9.1.1992

Anlage zum Meeraner Blatt Ausgabe Nr. 124 vom Januar 2019

 

Neujahrsempfang im Jugendklubhaus am 09.01.1992
unveränderte Abschrift  des handschriftlichen Redekonzepts von Bürgermeister
Dr. med. Peter Ohl
(Anmerkungen in Klammern)

 

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Meeranerinnen und Meeraner!
Verehrte Gäste!

Ich begrüße Sie ganz herzlich im Namen des Gemeinderates und der Stadtverwaltung von Meerane.

 

Wir sind heute hier zusammen gekommen, um gemeinsam Rückschau auf das Jahr 1991 zu halten und über wichtige Ziele für 1992 zuspreche. Im Anschluß daran haben Sie Gelegenheit, bei einem Glas Wein miteinander zu plaudern und Kontakte zu knüpfen.
(Es folgen die Einzelbegrüßungen von Gästen und Gästegruppen)

 

Meine Damen und Herren,

Jeder von Ihnen könnte jetzt hier vorn stehen und aus seiner Sicht vortragen, wie er das letzte Jahr in unserem Meerane erlebt hat.
Unser gemeinsames Ziel war und ist die Entwicklung von Meerane als Bestandteil der Region.
Ein Indikator dafür, wie wir auf dem Weg zu diesem Ziel voran kommen, wird die Zahl unserer Bevölkerung sein.
Unser Computer druckte für Dezember eine Zahl von 20.048 Einwohnern aus, einschließlich 74 Ausländern. So niedrig lagen wir seit 120 Jahren nicht mehr!

Ob damit der Tiefststand erreicht ist, werden wir erst in einem Jahr wissen und damit auch, ob unsere gemeinsamen Bemühungen vom Erfolg gekrönt sind. Es wird wieder erstrebenswert sein, in Meerane zu leben, wenn alle Bereiche des Lebens sich aufwärts entwickeln, wenn wir ein Komplettangebot machen können. Dazu gehören: Arbeitsplätze, Wohnungen, gute Einkaufsmöglichkeiten, gute Schulen, gute soziale Betreuung und ein breites Kulturangebot.
Noch ist die Struktur der Stadtverwaltung als Steuerungsinstrument für alle Aktivitäten nicht völlig ausgeformt. Nach erst 1 ½ Jahren kommunaler Selbstverwaltung kann noch nicht die ideale Struktur gefunden sein. Aber Dank der Hilfe aus unserer Partnerstadt Lörrach sind wir schon ein gutes Stück voran gekommen.

Was ist nun im Jahr 1991 alles in unserer Stadt geschehen?
Noch nie gab es in den letzten Jahrzehnten so viele Veränderungen in Meerane. Aus der Stadtkasse wurden 19 Mio DM in Vermögen umgesetzt. Dazu kommen die Investitionen der Meeraner Bürger in ihren Häusern und Gewerberäumen. Am deutlichsten sieht man diesen finanziellen Schub im Straßenbau, aber auch viele Häuser und Geschäfte können sich sehen lassen. Unsere Schulen sind Schmuckstücke, wenn auch immer noch manches fehlt. Spielplätze wurden neu angelegt.

Unser großes Problem der Schadstoffbelastung der Luft – wir lagen in der DDR an 7. Stelle der Rangfolge der schmutzigsten Luft – ist stark verbessert worden. Unser Heizhaus für ein ganzes Wohngebiet, einschließlich Krankenhaus, ist auf Öl umgestellt worden (vorher Rohbraunkohle). Praktisch alle Verwaltungsgebäude, Schulen, Heime, Kindereinrichtungen wurden, auch mit Mitteln vom „Aufschwung Ost“, auf Öl oder Gas umgestellt. 350 private Hausbesitzer nutzten die Fördermittel zur Modernisierung. Das bedeutet ja auch eine enorme Auftragslage für das Handwerk. Das wiederum macht sich in den Gewerbegenehmigungen bemerkbar und darin, daß diese Betriebe neue Arbeitskräfte einstellten. 416 Gewerbeanträge aller Art gab es 1991.
Viel Geld floß in überkommene Aufgaben, wie das Karlihaus (Stadthalle), das Museum und in Erhaltungsmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden und Sportstätten.

Eine besondere Betrachtung verdient die Kultur. Der Jahresetat ist nicht groß und gerade deshalb sollte man da zuletzt sparen. Jegliche Art von Kultur führt Menschen zusammen und das ist in Zeiten der Unsicherheit und Umgestaltung besonders wichtig. Es gab viele Veranstaltungen im letzten Jahr. Unsere Galerie ist gut besucht und wir haben das einzige Kino weit und breit (geschlossen ca. 1995). Die Vereine sind wieder im Kommen. Hervorzuheben ist der Sport: die Männer von SV Motor werden Bezirksmeister im Hallenhandball, unsere Billard spieler und Badmintonspieler Sachsenmeister und die Hockeymannschaft spielt in der Regionalliga, der höchsten Amateurklasse.
Wichtig sind unsere Bemühungen zum Erhalt unseres Krankenhauses (2005 geschlossen) und zur Wiedereinrichtung unseres Gymnasiums, was durch ein kaufmännisches Gymnasium ergänzt wird.

Unsere Altenheime und Pflegeheime, die Seniorenstation werden gut betreut. Ein Mütterheim wurde zum Ausbau angekauft. Die Rumänienhilfe der Meeraner Bürger mit regelmäßigen Transporten nach Sibiu wird unterstützt. Für die Sicherheit der Stadt sorgte unsere Feuerwehr in 147 Eisätzen, davon 54 Brände. Wir scheuen aber auch keine notwendigen Kosten, sie gut auszustatten. Eine neue Drehleiter für fast 1 Mio DM wurde angeschafft. Die Polizeistation in Meerane gab ihr Bestes und ist leider immer noch unterbesetzt. Unsere Politessen verteilten 4000 Verwarnungen an Parksünder.
Für die Sauberkeit der Stadt und ihrer Anlagen sorgt in zunehmender Qualität unser Bauhof unterstützt mit einer eigenen Kehrmaschine.

Lassen Sie mich nun zu unserer Hauptarbeit im Jahr 1991 kommen:
Unter den Oberbegriffen Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung sowie Stadtplanung in enger Zusammenarbeit unserer Stadtentwicklungs-GmbH (MESTEG) mit der Stadtverwaltung unter Einbeziehung des Planungsbüros Schenk/Wonka wurden in kurzer Zeit die Beschlüsse des Stadtrates zum Landerwerb, Investorenverträge, Erschließung und Bebauung umgesetzt.
Hinter diesen wenigen Sätzen verbirgt sich eine immense Arbeit bis zur Erschöpfung, um bis Ende 92 schon viele neue Arbeitsplätze  im Gewerbegebiet zu schaffen. (erster Spatenstich im Gewerbegebiet Südwest am 16. Okt. 1991) Unsere Bürger warten bei einer Arbeitslosenquote von hochgerechnet 25 % in Meerane dringend, und ich muß sagen geduldig, darauf.
Aber auch innerstädtische Gewerbestandorte werden mit großer Kraftanstrengung von der Wirtschaftsförderung gemeinsam, mit den bisherigen Betriebsleitungen und der Treuhand (noch im Vertrauen auf eine Partnerschaft)  an mögliche Investoren, vermittelt.
Hauptproblem für 92 wird der Wohnungsbau sein. Über 1000 Wohnungssuchende gibt es in Meerane und über 100 Bauwillige. Dazu kommen die Wohnungswünsche von Investoren. Im Eiltempo gilt es, Gebiete für Wohnungsneubau zu erschließen, sonst laufen uns die Bürger davon. Aber die Reihenfolge ist eben, erst Gewerbeflächen, dann Wohnflächen. Unsere Wohnungsbau GmbH wird das ihre dazu tun. Außerdem sind wir trotz aller Hemmnisse mit den Hausverkäufen gut voran gekommen.

Standen 1991 noch die Investitionen aus öffentliche Hand als Anschub der Wirtschaft im Vordergrund, müssen wir 1992 das Gewicht  auf private Investoren verlagern. Dazu hoffen wir auf endlich bessere und schnellere Verfahren zur Klärung der Eigentumsfragen.
In der Hoffnung, daß ich Sie nicht zu sehr strapaziere, möchte ich Ihnen aber auch sagen, daß Grundlage für eine gute Stadtentwicklung eine Durchsetzung der kommunalen Selbstverwaltung ist, eine gute Struktur in der Stadtverwaltung mit den besten Leute. die man haben kann, eine gute Beziehung zwischen der Verwaltung und den Bürgern sowie zur übergeordneten Ebene und vor allem auch zu den Nachbargemeinden.

Wir müssen 1992 da weiter machen, wo wir 1991 aufgehört haben. Unser Ziel ist klar und heißt: allseitige Entwicklung von Meerane zum Nutzen der Region.

Wir wollen nichts Spektakuläres, wir wollen Solidität, Kontinuität.

 

Es sind dabei zwei Fehler zu vermeiden:

  1. Wünschen ohne zu Handeln
  2. Handeln ohne Ziel.

Die größte Reserve steckt in uns selbst, in den Bürgern unserer Stadt Meerane.
(Abschluss der Rede)