Gegründet im November 1989 – Online-Ausgabe seit 2004Ausgabe Nr.85 - 18. November 2014

Virtuelle Ausgabe Nr. 85 (702) vom 18. November 2014

18. November 1989 - 18. November 2014

 

25 Jahre
Meeraner Blatt

 

Das erste Meeraner Blatti-Punkt
Das erste Meeraner BlattDer "I-Punkt", Meerane, Marienstraße 16

 

Zur Jubiläumsausgabe

Das Meeraner Blatt war und ist das Bekenntnis
einer innigen Verbundenheit mit der Stadt Meerane

Mutige Bürger fanden sich am Abend des 7. November 1989 in der Marienstraße 16 ein.
In diesem ehemaligen Diakonat befand sich zur Wendezeit 1989/90 das Meeraner Informationszentrum, der von Pfarrer Dietmar Koenitz und Wolfram Weiß initiierte „i - Punkt“.

Versammelt waren:
Wolfram Weiss (+) (Neues Forum Meerane), Bernd Hinke (+)(Stadtrat für Kultur Meerane),Peter Wolf (+) und Andreas Rückert (Kulturbund) Klaus-Dietmar Hessel (Kulturbund – Denkmalpflege), Rolf Schwarz und Gerhard Kretzschmar (Buchdruckerei Max R. Otto), Ruth Meyer, Dr. med. Hans-Erich Müller, Susanne Müller, Mario Junghans, Thomas Wietstock, Hans-Jürgen Illing (LDPD), Frieder Ohl, Heidi Ohl und Dr. med. Peter Ohl als Organisator.

Anlass war die dringende Notwendigkeit für ein freies und unabhängiges Informationsblatt für die Bürger. Wie sollte das gehen? Es gab keine Pressefreiheit. Alles zu Druckende wurde zensiert. Ohne eine Genehmigungsnummer vom Rat des Kreises machten sich Textverfasser und Druckerei strafbar. Doch der gemeinsame Mut überwand die Angst.

Die erste Ausgabe wurde textlich vorbereitet, der Titel gefunden und gestaltet und eine alte Druckplatte vom Meeraner Rathaus in den Bleisatz eingefügt. Inzwischen nutzten Hinke und Hessel ihre Kontakte zum Rat des Kreises, um dort für unser Tun ein Stillhalten zu erwirken. Bernd Hinke wurde gebeten, ein Geleitwort für die Nr. 1 zu schreiben. Er hat das Blatt bis zu seinem frühen Lebensende 2007 begleitet, letztlich auch bei den Ausgaben im Internet.

Die Meeraner Druckerei Max R. Otto, dieser traditionsreiche Betrieb in der Ziegelstraße, jetzt Schwarz-Druck im Meeraner Gewerbegebiet, stellte sich mutig dem Gebot der Stunde und erklärte sich bereit, mit großem Risiko für ihre Gewerbeerlaubnis, das „MEERANE BLATT“ ohne Druckgenehmigungsnummer zu drucken.
Schriftsetzermeister Rolf Schwarz (gest. am 9. Mai 1990 im Alter von nur 42 Jahren) und Gerhard Kretschmar erstellten bis zum 18. November die ersten 1000 Exemplare der Nr 1.
Das „MEERANER BLATT“ war geboren.

Es wurde anlässlich der Gründung der Meeraner Basisgruppe des Neuen Forums kostenlos im Meeraner Kino verteilt. Die 1.000 Stück der ersten Auflage waren schnell vergriffen. Weitere 1.000 wurden nachgedruckt. Von da an erschien das MB 10 Jahre lang wöchentlich. Es erreichte im Abonnement und Freiverkauf anfangs zu 50 Pfennige zuweilen eine Auflage bis zu 4000 Stück und enthielt ab Mai 1990 die amtlichen Mitteilungen der Stadt Meerane.

Das erste Redaktionskollegium mit Ellinor Heilmann, Bernd Lehmann, Heidi und Peter Ohl trafen sich jeweils montags nach dem Friedensgebet, um die Artikel und Zuschriften durchzusprechen. Zusammengestellt auf einer Erika-Reiseschreibmaschine ging der Entwurf Mittwoch früh in die Druckerei Max R. Otto in der Ziegelstraße und wurde dort im Bleisatz gesetzt. Am Freitag war das Blatt im i-Punkt und in etlichen Geschäften erhältlich und bald über die Austräger bei den zahlreichen Abonnenten in den Briefkästen. Altmeeraner im Westen erhielten es per Post.

Zunächst musste auf eingefügte Bilder drucktechnisch und aus Kostengründen verzichtet werden. Es wurde ohnehin wenig fotografiert. Die Zeit war zu hektisch. Darum sind die wenigen Fotos heute als Zeitzeugen besonders wertvoll.

Das erste Bild erschien im Blatt am 2. März 1990 in der Nr. 16. Dazu wurde ein Foto vom Lörracher Oberbürgermeister Rainer Offergeld an vorgezeichneter Stelle auf das Papier kopiert (eine Nachtarbeit) und der Text nachträglich darum gesetzt. – o -

Das erste Redaktionskollegium und die Druckerei

RedaktionskollegiumDruckerei
Elinor Heilmann, Bernd Lehmann, Peter Ohl und Heidi Ohl, als Gäste Johanna
und Johannes Groschwitz, von links
Gerhard Kretschmar in der Buchdruckerei Max. R. Otto

 


Zum i-Punkt

Mit Zustimmung und Freude habe ich die Nachricht aufgenommen, an der Marienstraße 16 eine Gedenktafel anzubringen.
Als beim dritten Friedensgebet im Oktober 1989 die Kirche fast aus den Nähten platzte, wurde deutlich, dass das Gebet und die Großversammlung eine wichtige Ergänzung brauchten, einen Treffpunkt, an dem jederzeit aktuelle Informationen ausgetauscht und konkrete Schritte besprochen werden konnten.
Die Kirchgemeinde konnte einen wenig genutzten Raum zur Verfügung stellen. Dort konnte man sich für das Neue Forum einschreiben. Von dort aus gründeten sich die Arbeitsgruppen Umweltschutz, Schulbildung, Wahlfälschung und andere. Dort wurden Aktionen besprochen. Dort konnte man Geld spenden, was später in die Meeraner Rumänienhilfe mündete.
Die Gründung des "Meeraner Blattes" war die nachhaltigste Aktion, die vom
i-Punkt ausging.
Wohlgemerkt: Das alles in der Zeit vor dem Mauerfall, als die Machtstrukturen der DDR zwar wankten, aber noch voll vorhanden waren.
Das Miteinander von "Beten und Tun des Gerechten" (Dietrich Bonhoeffer) prägte diese Zeit, in der so viele Menschen schöpferisch tätig wurden und im gemeinsamen Tun über sich hinaus wuchsen.
Am 17. November 2014 werde ich nur in Gedanken in der Marienstraße und in der Martinskirche dabei sein, weil ich mit meinen geringen Kräften haushalten muss.

Mit freundlichen Grüßen - Ihr Dietmar Koenitz, Pfarrer i. R.


Bis heute erschienen vom MEERANER BLATT 702 Ausgaben,
vom 18. November 1989 bis zum 21. Juni 2002 617 Druckausgaben,
ab 15. Februar 2004 unter www.meeranerblatt.de 85 Ausgaben nur im Internet.

 

Wiedersehen mit ehemaligen Meeraner Amtsleiter in Ettlingen

von Thomas Fedrow und Peter Ohl

Thomas FedrowThomas Fedrow war einer von drei jungen Verwaltungsbeamten, die 1991 vom Lörracher Rathaus im Rahmen der Städtepartnerschaft in die Meeraner Stadtverwaltung vermittelt wurden, um ihr Fachwissen beim Aufbau der neuen Verwaltungsstrukturen einzubringen. Fedrow übernahm das Amt für öffentliche Ordnung, mit Ortspolizeibehörde, Feuerwehr, Gewerbe- und Einwohnerwesen. Für die Verwaltung und mich als Bürgermeister bedeutete die Verbindung von fundiertem Verwaltungswissen mit unseren Kenntnissen der örtlichen Verhältnisse eine große Hilfe in dieser turbulenten Zeit.
1995 gingen die drei „Westbeamten“ wieder in ihre Heimat nach Baden-Württemberg zurück.
Seit Anfang 2010 ist Thomas Fedrow nach fast 10-jähriger Amtsleitertätigkeit in Waiblingen als Rechnungsprüfungsamtsleiter Bürgermeister der Stadt Ettlingen (40.000 EW). Mit vielen Grüßen aus Meerane im Gepäck konnten wir jetzt endlich seiner vielfach geäußerten Einladung nachkommen, ihn und seine Frau zu besuchen.

GruppenbildSusanne und Thomas Fedrow freuten sich sehr über das gemeinsames Wochenende in Ettlingen mit Heidi und Peter Ohl, das um den 25. Jahrestag des Mauerfalls stattfand. Gesprächsstoff gab es für die beiden Ehepaare genug. Viele Erlebnisse und Sichtweisen um die entscheidenden Aufbaujahre der Stadt Meerane wurden ausgetauscht und zusammengefügt. Thomas Fedrow sieht seine berufliche Basis der „Lehrlingszeit“ in Meerane vor rund 20 Jahren bei Bürgermeister Dr. Ohl gelegt. Als heutiger Bürgermeister im badischen Ettlingen blickt Fedrow mit viel Berufserfahrung zurück: „Ich konnte hautnah von meinem ersten Bürgermeister viel lernen, das ich heute analog umsetze“, so Fedrow und dann weiter: „Peter Ohls Mut und Ausdauer ist der Schlüssel für Meeranes Wohlstand durch eines der innovativsten Gewerbegebiet im Freistaat Sachsen“. Er schätzt sehr das von Bürgermeister Dr. Ohl seinerzeit geschaffene „Klima der Beteiligung und Integration“ aller Akteure während seiner erfolgreichen Amtszeit, denn insbesondere das Ehrenamt und die Menschen bedurften nach der Wende verständnisvoller und aktiver Ansprechpartner in der Stadtverwaltung. „Meerane brauche“, so Fedrow „in Zukunft verlässliche und offene Ohren im Rathaus und in den Betrieben, damit die Stimme der Stadt in der Region und in Dresden für wichtige Projekte Gehör finde“.

 

 

Heidi Ohl und Bürgermeister Thomas Fedrow

Heidi Ohl und Bürgermeister Thomas Fedrow bei der Bsichtigung des Ettlinger Friedhofs

 

Nachdruck MEERANER BLATT Nr. 1 Seite 1

Nachruck Meeraner Blatt Nr. 1 Seite 1

Nachdruck MEERANER BLATT Nr. 1 Seite 2
So haben wir uns das im Herbst 1989 vorgestellt

 

Nachdruck Seite 2

Nachdruck MEERANER BLATT Nr. 1 Seite 3

Nachruck Seite 3

Nachdruck MEERANER BLATT Nr. 1 Seite 4

Nachdruck Seite 4


 

 

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