Gegründet im November 1989 – Online-Ausgabe seit 2004Ausgabe Nr.55 - 10. März 2011

Virtuelle Ausgabe Nr. 55 vom 10. März 2011

 

Meeraner Kaleidoskop

 

 Porticus des Meeraner Bahnhofgebäudes

Bahnhof Meerane

Wenn demnächst der Meeraner Bahnhof abgerissen wird, sollte als Erinnerung an die einstige Bedeutung des Bahnhofs für Meerane wenigstens dieser Porticus für die Nachwelt erhalten werden. Als eingeschossiges Vestibül könnte der Bogenraum eine ergänzende Funktion zur geplanten Schnittstelle Bahn/Bus finden. Aber selbst wenn nur das Geviert mit den Bögen als nach Südwesten offenes U bis in etwa 4 Meter Höhe stehen bliebe (die Mauerkronen abgedeckt), wäre das akzeptabel. Erhaltenswert sind auch die Gusseisensäulen aus der Gründerzeit, welche die Bahnsteigüberdachung tragen. Vielleicht könnte man diese am Bau der Schnittstelle als Relikt des Bahnhofgebäudes gestalterisch einfügen.
(Siehe dazu auch den Leserbrief von Ralph Schmid in dieser Ausgabe)

Unterschriftensammlung
für den Erhalt von Teilen des Bahnhofs

Unterschriftslisten

Die Listen liegen vom 12. bis 19. März 2011 in folgenden Geschäften aus:
Drogerie Winkler, Poststraße 14
Elektro-Discount Meerane, Marienstraße 25
FF-Markt Farbe & Natur (Farbenfiedler) Zwickauer Straße 30

Sie können weiter Unterschriftslisten unter post@meeranerblatt.de anfordern oder sich aber auch direkt per e-mail zu Wort melden.

Dazu kopieren Sie den obigen Text im Kasten und senden sie ihn bis zum 19. März 2011 von Ihrer e-mail-Adresse an:
die Stadt Meerane post@meerane.eu
und als Kopie an das Meeraner Blatt post@meeranerblatt.de


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Aus einem Beitrag der Freien Presse vom 09. März 2011:

"Die Abrissbirne kreist im Schatzkästchen"

In dem Artikel von Jörg-Peter Telemann wird der Architekturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dieter Bartetzko zitiert: Für einen "Riesenfehler" hält er die "zunehmenden Verzweiflungstaten beim Stadtumbau Ost." Es sei sehr kurzsichtig, in baufälligen Zeitzeugen Schandflecken zu sehen. "Wenn ihr diese Schandflecke wegreißt, bekommt ihr eine 0815-Architektur, wie wir sie im Westen haben."
Der Gründer der Deutschen Stiftung für Denkmalsschutz, Gottfried Kiesow, wird im gleichen Artikel zitiert. Er warnt vor dem weiteren Abriss historischer Altbausubstanz.

Kommentar
Das sächsische Denkmalsschutz Gesetz ist in der Überarbeitung. Es ist zu erwarten, dass die Kommunen mehr Mitspracherecht bekommen. Das erfordert schon jetzt eine höhere Verantwortung für Bürgermeister und Stadträte für die ihnen anvertraute Stadtentwicklung. Es können nicht in jedem Rathaus die benötigten Fachleute sitzen, die die ehrenamtlichen Räte beraten. Darum ist es unabdingbar, externe Beratung einzuholen und auch den Blick der Bürger für ihre Stadt samt ihrer Geschichte zu schulen. Wir müssen lernen, mit den Augen von morgen unsere Stadt zu sehen. –ohl

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05.03.2011
Leserbrief von Ralph Schmid, Kreisverwaltungsdirektor i. R., Ludwigsburg

Abbruch des Bahnhofs in Meerane


Da die Stadt das Bahnhofsgebäude erworben hat, fällt es in die Zuständigkeit des Stadtrates, darüber zu entscheiden, was damit geschieht. Dass er durch Umbau nicht einer anderen Nutzung zugeführt werden kann, dürfte jeder Meeraner verstehen. Er ist heute auch noch kein besonders schützenswertes Gebäude. Insofern ist für mich die Entscheidung, das Gebäude abzubrechen, nachvollziehbar. Ob aber der Stadtrat damit eine Entscheidung getroffen hat, die im Sinne einer großen Zahl der Einwohner ist, scheint fraglich.

Wenn man durch viele unserer Städte in Deutschland geführt wird, hört man immer von deren einstiger Bedeutung, der Größe und den Bauwerken, die dies einst dargestellt haben. Man erfährt, dass leider durch Bomben und Krieg vieles nicht mehr erhalten ist, und danach beim Wiederaufbau der Sinn und die Mittel dafür gefehlt haben, noch verwertbare Teile wieder zu verwenden. Oder es wird beklagt, dass damals den Entscheidungsträgern das Verantwortungsbewusstsein gefehlt hat. Wenn dann aber irgendwo eine alte Mauer, einige Säulen oder ein Portal noch erhalten sind, beginnen die Augen des Stadtführers zu leuchten und er erklärt ausführlich, welchem glücklichen Umstand oder welcher Person es zu verdanken ist, dass diese Teilstücke noch gerettet und für uns und der Nachwelt erhalten wurden.

Heute sind der Erhaltungsgedanke und das Bewusstsein dafür, auch den nachfolgenden Generationen Teile der Baukultur einer Stadt in Erinnerung zu bewahren, meist vorhanden. Meerane hat nicht viele Gebäude, die an eine vergangene Zeit erinnern. Insofern ist jedes Stück, das völlig aus dem Stadtbild verschwindet, für die alt eingesessene Generation ein Verlust und für die künftige Generation kein Anreiz, ein historisches Bewusstsein zu entwickeln. Diese Mängel sind dann nicht durch Krieg, sondern durch den Stadtrat verursacht.

Nun weiß ich nicht genau, was an dieser Stelle vorgesehen ist, aber es ist technisch kein Problem z.B. den Portikus mit Uhr in eine Häuserfassade — auch versetzt — zu integrieren. Falls kein neues Gebäude dort errichtet wird, würden gute Planer sicherlich eine geeignete Verwendung auf einer dortigen Freifläche finden können, sei es als Unterstand und Wartehalle. Etwas Neues kann jeder bauen, etwas Altes zu integrieren ist jedoch eine Kunst. Vielleicht findet sich auch in Meerane ein Künstler, vielleicht auch ein verständnisvoller in die Zukunft blickender Stadtrat.
Ralph Schmid

 

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