Gegründet im November 1989 – Online-Ausgabe seit 2004Ausgabe Nr.02 - 22. Februar 2004

Virtuelle Ausgabe Nr. 2 vom 22. Februar 2004

 

Meeraner Kaleidoskop

 

Auch zum Schulwesen

Die Marktwirtschaft hat längst auch Kinder zum Produkt erklärt und damit in erster Linie zum Kostenfaktor. Der Ruf des Staates nach mehr Kindern erscheint vor diesem Hintergrund genauso scheinheilig, wie der Ruf nach mehr Wachstum in der heimischen Wirtschaft. Kostenintensive Bereiche werden heutzutage verlagert, in der Regel nach Osten oder gar Fernost. Zur Aufrechterhaltung unseres hohen Standards setzen wir zunehmend auf Importe aus Billiglohnländern, auf Produkte also, in deren Preis zudem weder Sozialabgaben noch Altersvorsorge enthalten sind. Wem kommen da schon Skrupel.  Erinnern wir uns. Auch die DDR hat durch Dumpingpreise für Exporte über Jahre zum Wohlstand der westlichen Bundesländer beigetragen.
Jetzt setzt man selbst im Bildungswesen auf Importe und verlagert nach dem Vorbild der Industrie die „Produktion“ von gut Ausgebildeten ins Ausland. Ich vermisse dabei zumindest ein schlechtes Gewissen gegenüber unseren Kindern, aber auch gegenüber den „Geberländern“, die erst die Kosten der Ausbildung tragen und dann die selbst dringend benötigten Fachleute verlieren – Kolonialismus im 21. Jahrhundert.
Darüber hinaus ist es äußerst beschämend, wenn eins der hochentwickeltsten Länder mit 80 Millionen Einwohnern verlernt hat, sich hier selbst zu helfen.

Kinder kosten Geld. Mehr Kinder kosten mehr Geld; dem versucht der Staat durch die Zahlung von Kindergeld gerecht zu werden. Aber auch Erziehungsgeld, diverse Beihilfen und Kostenzuschüsse für z. B. Kinderbetreuung und Schülerbeförderung sind für viele Eltern heute kein ausreichender Anreiz, Kinder in diese Welt zu setzen. Würde da ein kostenloser Besuch von Kinderkrippen und –gärten, entsprechend dem kostenlosen Besuch von Schulen und Hochschulen, die Situation verbessern? Vielleicht.
Solange aber, wie es den Anschein hat, vom Staat (Bund, Land und Kommune) Kinder in erster Linie als Kostenfaktor gesehen werden, darf man sich nicht wundern, wenn das zunehmend auch unsere jungen Frauen und Männer so sehen und auf Kinder verzichten.
Bleiben wir mal bei den Kosten und betrachten Kinder als eine Investition. Der zu erwartende Nutzen dieser Investition für die Gesellschaft lässt lange auf sich warten – in der Regel 18 und mehr Jahre. Kein Wunder, dass die Politik mit ihren kurzen Denkintervallen von Wahl zu Wahl völlig damit überfordert ist, für einen so langen Zeitraum wirksame Konzepte zu entwickeln. Da ist doch der Import von fertigen Fachkräften die schnellere Lösung. Die Familien bleiben mit ihren Kindern 18 Jahre und länger weitgehend allein und tragen nicht nur die damit verbundenen Kosten, sondern auch die Angst vor der Ungewissheit immer neuer Belastungen durch die Regierung.

In diese Sicht muss man das staatliche Schulwesen einbeziehen, das bei uns Ländersache ist und unsere Schulen vor Ort direkt betrifft. Solange bei den angeordneten Schulnetzkonzeptionen wiederum die Kosten das allein auschlaggebende  Kriterium sind, verschwindet der eigentliche Schulzweck, nämlich eine bestmögliche Ausbildung unsere Schüler, aus dem Gesichtsfeld staatlicher Stellen und es bleibt den Lehrern, Eltern und Schülern nur übrig, das beste daraus zu machen. Pisa lieferte dafür die Quittung.
Der Artikel in der Freien Presse vom 19. Februar, „Eine Schule musste weg“ geht in die gleiche Richtung. Doch darüber mehr im nächsten mb.
(Dr. Peter Ohl)

 

Am Rande

 

Lumpenball im Gambrinus

Die „P(r)oststraße“ hat Bernd Hinke zu Werbezwecken für sein Spaßcafe an der Poststraße erfunden. Nun scheint sich das Areal aber zu einem richtigen Prostviertel zu mausern, leider ohne den traditionsreichen „Goldenen Löwen“ mit seiner sehr guten Küche. Ganz in der Nähe des Spaßcafes etablierte sich vor Jahr und Tag erfolgreich das Cafe von Gramss Backstuben. Neuerdings lädt das Bistro „Kreuz und quer“ am Lörracher Platz ein und ein paar Schritte weiter Noskes Eissalon, seit Jahrzehnten in Meerane ansässig, nach dem Staub und Sand des Thälmann-, später Teichplatzes nun tapfer allem Baulärm samt Einschränkungen und Schmutz trotzend. Sogar der totgeglaubte „Gambrinus“ nimmt immer deutlicher Gestalt an. Im September will der Besitzer, der schon das Cafe Schöberlein ins Leben zurückholte, die Gaststätte wieder eröffnen, in historisch-neuem Ambiente, wobei die Brauereien Köstritzer und Bitburger hilfreich sein wollen. Gute Aussichten also.
Überraschend dieser Tage die große Lumpenball-Ankündigung für den 28. Februar am „Gambrinus“-Rohbau. Aber warum eigentlich nicht? Die Treppe fordert doch nahezu neue Ideen, zumal das Projekt des Teichplatzes mit Treppe anno 2002 ja unter dem Namen „Inno Meerane“ auf den Weg gebracht wurde, ein Begriff, der allerdings in Vergessenheit geriet. Wie dem auch sei, es könnte doch ein echter Knaller werden, der diesjährige Faschingskehraus im Gambrinus mit Polonaise durchs rohe Gemäuer, die Treppe hinauf und hinunter, dann natürlich weiter durchs Prostviertel zurück zum Ausgangspunkt Stadthalle, wo der Gugge-Lumpenball am 28. Februar tatsächlich stattfindet.



Werbewillkür unterbinden

 
Die Verordnung zur Plakatwerbung anlässlich der Kommunal- und Europawahlen am 13.06.2004 beschränkt die Anzahl der Plakate je zur Wahl zugelassener Partei und Wählervereinigung auf 80, um die erwartete Plakatflut zu unterbinden.

Zu vorhergehende Wahlen war die Zahl auf jeweils 40 Plakate beschränkt, was, wenn auch nicht von allen eingehalten, durchaus zu genügen schien. Es wird also ein Gerangel um Plakatpositionierungen geben, zumal das Zentrum weitgehend ausgenommen ist. Oder wie wäre es mit einem gemeinsamen Plakat aller Bewerber, das die Bürger aufruft, zur Wahl zu gehen?

 

Verbrieftes

 

- hier ist viel Platz für Ihre Zuschriften -

Jugendfeuerwehr seit Jahren vom Ortsverband der Freien Wähler unterstützt

Zur Jahreshauptversammlung der Meeraner Freiwilligen Feuerwehr am 30. Januar überreichten Georg Ulbricht und Wolf-Dieter Stöckl 250.00 Euro an die  Jugendfeuerwehr. Mit ihren Spenden wollen die Freien Wähler die Bedeutung des Nachwuchses für unsere Feuerwehr unterstreichen und dessen Leistungen unter Kamerad Sven Hertwig würdigen.
Georg Ulbricht, Ortsvorsitzender

 

Zurückgeblättert

 

1954 besiegelte der berüchtigte Doppelmord im "Dreierhäuschen" die Geschichte der Gaststätte nahe der Merlacher Linde.
(Nachzulesen im neu erschienenen Buch „750 Jahre Ponitz - eine Gemeinde im Altenburger Land".)

1994, am 5. Februar fand der erste Straßenfasching in Meerane nach der Wende statt.
Zur Unterstützung des MCV und „Blasmusikvereins Meerane 1968“ waren aus Lörrach die „Bloodere Clique“ und aus Basel erstmalig die „Guggemusik Grachsymphoniker“ angereist. Das hatte im März 95 die Gründung der 1. Sächsischen Guggemusig – „Meeraner Gnallschoddn“ zur Folge. Wie es weiterging, ist bekannt.

 

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