Gegründet im November 1989 – Online-Ausgabe seit 2004Dankesrede Bürgermedaille

Dank für die Bürgermedaille 2018 der Stadt Meerane
von Peter Ohl

 

Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats, sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Gäste der Stadt Meerane.

Auch bei uns ist der Neujahrsempfang nach dem Vorbild unserer Partnerstadt Lörrach zu einer guten Tradition geworden.
Dass ich heute die Bürgermedaille der Stadt Meerane entgegennehmen kann, hat mich überrascht, umso größer ist meine Freude. Ich bedanke mich herzlich beim Meeraner Stadtrat dafür, dass er das beschlossen hat.

Meine Freude darüber teile ich:

Bei uns in Meerane nimmt die Kirchgemeinde mit der Trägerschaft für den Friedhof eine öffentliche Aufgabe wahr, die sonst bei der Stadtgemeinde liegt. Das ist nicht selbstverständlich. Neben den Kosten für den laufenden Betrieb geht es um den Erhalt der Gebäude. - 2014 wurde unsere Neue Friedhofshalle 100 Jahre alt.
Die Halle ist seit Generationen der Ort in Meerane, wo wir unsere Verstorbenen würdevoll verabschieden können. Für ihre inzwischen notwendige Sanierung waren weit über eine halbe Million € veranschlagt – Geld, welches die Kirchgemeinde nicht allein aufbringen konnte.

Das veranlasste 2011 unseren damaligen Pfarrer Dr. Martin Teubner, einen Förderkreis Friedhof Meerane zu gründen, um Spenden für die Sanierung der Halle zu sammeln. Den Vorsitz trug er mir an.

Meine Verbindung mit Meerane und seinen Bürgern reicht 52 Jahre zurück.
Im Oktober 1966 begann ich als junger Arzt, aus Thüringen kommend, in der Staatlichen Arztpraxis Am Altmarkt. Gerade in der DDR war ein Hausarzt im Interesse seiner Patienten immer auch ein Stück Kommunalpolitiker. Das wurde für mich nach der Wendezeit, im Bürgermeisteramt und als Initiator der Freien Wähler in Meerane und Sachsen, zu einer Hauptaufgabe.
Meerane und seine Bürger lagen mir immer sehr am Herzen.

Das Vertrauen, welches mir die Meeraner Bürger schon 1966 entgegen brachten, ist nie abgerissen. Dieses Vertrauen übertrug sich nun nicht nur auf den Förderkreis, sondern auf ein ganzes Netzwerk von Partnern auf der Basis einer offenen Kommunikation.

In den letzten Tagen des alten Jahres stieg die Spendensumme auf 170.500 € und es geht 2019 gleich weiter. Das ist ein gewaltiges Bürgerengagement für eins der bedeutendsten historischen Gebäude unserer Stadt.

Die Neue Halle symbolisiert nach Prof. H.-G. Lippert, Fakultät für Architektur der TU Dresden, einen besonders wichtigen Zeitabschnitt europäischer Geschichte um 1900. Ihr Architekt, Paul Bender, nahm das Pantheon in Rom, das allen Göttern gewidmet war, zum Vorbild.

Paul Bender fiel 1917 in Flandern. Er war ein Schüler des Architekten Paul Wallot, des Erbauers des Reichstags in Berlin.

Die Arbeiten an der Neue Friedhofshalle haben die Bürger aufmerksam verfolgt. In diesem Jahr werden wir die Sanierung abschließen können. Ermöglicht haben uns das die Fördermittel der Bundesregierung, des Freistaates Sachsen, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, von der Sparkasse Chemnitz und Ihre Spenden. Nun warten neue Aufgaben. Der Förderkreis wird die Kirchgemeinde St. Martin weiter unterstützen, auch dabei, unseren Friedhof im Bewusstsein der Bürger lebendig zu halten.

Auf einem Friedhof haben Weltanschauungen, politische Ansichten, Herkunft und Stammtischparolen kaum Bedeutung. Vor dem Tod sind alle gleich. –

Unser Friedhof gehört zu den am meisten besuchten Orten unserer Stadt. 
Hier herrschen Stille und Einkehr, hier  bekommen die Begegnungen, die Gespräche mit den Lebenden und den Toten eine besondere Bedeutung. Das ist in der aufgewühlten Zeit in unserem Land ein hohes Gut auf dem Boden christlich - abendländischer Kultur. -

Ich nehme diese Auszeichnung gern  an. Ehre gebührt aber zugleich all denen, die heute alte Architektur und Handwerk für spätere Generationen erhalten.

Ich komme zum Schluss und bedanke mich auch für die Laudatio.

Vielen Dank  für ihre Aufmerksamkeit.
Ich wünsche uns allen ein gutes neues Jahr.